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Auswanderung: Teil 1 - Begriffsdefinition · Teil 2 - Geschichte der Auswanderung · Teil 3 - Gründe für eine Auswanderung ·
Teil 4 - Deutschland, Schweden, etc. · Teil 5 - Museen und Ausstellungen · Auswandererschutzgesetz



Auswanderung
Teil 4

Deutschland

2006 wanderten 18.242 Deutsche in die Schweiz, in die USA 13.200, nach Österreich 10.300, nach Großbritannien 9.300, nach Polen 9.100, nach Spanien 8.100, nach Frankreich 7.500, nach Kanada 3.600, in die Niederlande 3.400 und in die Türkei 3.300 aus. Insgesamt emigrierten 144.815 Deutsche. Was bei der Berichterstattung in den Medien manchmal unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass im gleichen Zeitraum ca. 128.000 Deutsche vom Ausland nach Deutschland gezogen sind. Insgesamt betrug die Zahl der Netto-Auswanderung 2005 also nur ca. 17.000, was ungefähr 0,02 % der Bevölkerung entspricht. Weiterhin gibt es erhebliche Unterschiede innerhalb der Bundesrepublik, so findet erhöhte Auswanderung aus den nördlichen Bundesländern statt, während die Entwicklung in Bayern genau umgekehrt verläuft: Die Bevölkerung steigt kontinuierlich und Auswanderung von gebürtigen Bayern gilt als ungewöhnlich.

Absolut - also losgelöst von der Frage der Staatsbürgerschaft - sind im Jahre 2009 734.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert. Im gleichen Zeitraum sind 721.000 nach Deutschland migriert. Davon waren 606.000 nicht deutscher Staatsbürgerschaft.

Im Jahre 2005 haben sich 160.000 Deutsche offiziell abgemeldet. Geschätzt wird die tatsächliche Zahl (incl. derer, die sich nicht abmelden) auf 250.000. Dies ist die höchste registrierte Abwanderung aus der Bundesrepublik seit 1950. Es sind insbesondere gut ausgebildete Fachleute, die emigrieren. Klaus J. Bade, Professor für Neueste Geschichte an der Universität Osnabrück und Migrationsexperte, spricht in dem Zusammenhang sehr pointiert von einer "migratorisch suizidalen Situation" für Deutschland. Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit-Vorstand, sagt (in Bezug auf arbeitsfähige Personen): "Es gehen derzeit mehr Inländer ins Ausland als Ausländer nach Deutschland kommen." Besondere Bedeutung bei der Auswanderung in die Schweiz hat die Nähe des Landes, die deutschsprachige Umgebung und insbesondere das schweizerische Steuerrecht, das hohe Vermögenswerte weniger stark besteuert, als dies in Deutschland der Fall ist (Beispiel: Boris Becker). Die Schweiz hat statistisch betrachtet von Jahr zu Jahr eine immer größere Einwanderung von Deutschen.

Dem Thema Auswanderung sind in Bremerhaven, Hamburg und Oberalben Museen gewidmet und an anderen Standorten gehen Museumsabteilungen zum Beispiel auf regionale Auswanderungswellen oder die Vertreibung von Juden aus Deutschland ein. Auswanderung ist zudem ein Thema, das häufig im Fernsehen thematisiert wird. So zeigte die ARD als ein Living-History-Projekt 2004 mit der Reihe "Windstärke 8" eine viel beachtete Zeitreise von insgesamt 37 Personen, die wie anno 1855 den Atlantik mit dem Traditionssegelschiff "Bremen" überqueren. Der Medienwissenschaftler Thomas Waitz hat in einer Untersuchung, die sich mit den Problematisierungen von Auswanderung im Fernsehen beschäftigt, festgehalten: "Anders als bei den meisten anderen gesellschaftlichen Phänomenen haben sich im Hinblick auf Auswanderung eigenständige Programmformate mit eigenen Konventionen und narrativen Strategien entwickelt."

Im Jahr 2009 verließen 40.000 Personen Deutschland und zogen in die Türkei, viele von ihnen gut ausgebildet. Für Akademiker ist fehlendes Heimatgefühl mit 41,3 Prozent der am häufigsten genannte Grund dafür, in die Türkei zu ziehen.

Nachdem 2008 mit 161.105 deutschen Auswanderern ein Rekordjahr war, kehrten im Jahr 2009 offiziell nur 154.989 Deutsche ihrer Heimat den Rücken. Davon siedelten allein 106.286 ins europäische Ausland, 23.462 wanderten nach Amerika aus, 14.592 nach Asien, 5.198 nach Afrika und 4.894 nach Australien bzw. Ozeanien. Im Jahr 2009 kehrten hingegen insgesamt 114.700 Deutsche nach Deutschland zurück. Davon kamen 74.417 Rückwanderer aus europäischen Ländern, 18.718 aus Amerika, 12.685 aus Asien, 4.715 von Afrika und 3.378 von Australien bzw. Ozeanien.

Im Jahr 2010 war die Auswanderung Deutscher mit 141.000 weiterhin etwas rückläufig. Im gleichen Jahr verließen hingegen 529.606 Nichtdeutsche das Land. Die Hauptauswanderungsländer der Deutschen waren die Schweiz (22.034), die USA (12.986), Österreich (10.831) und Polen (9.434). 114.712 Deutsche kehrten zurück nach Deutschland. Zusätzlich wanderten 683.529 Nichtdeutsche ein.

Schweden

Zwischen 1815 und 1850 stieg die Bevölkerungszahl in Schweden vor allem durch Zuwachs auf dem Land von 2,5 auf 3,5 Millionen. Eine Lösung der daraus resultierenden sozialen Probleme bot die Auswanderung, die 1840 einsetzte und 1880 ihren Höhepunkt erreichte. Bis ungefähr 1900 verließen 1,2 Millionen Schweden das Land.

Tschechoslowakei

Zwischen der Einverleibung des Sudetenlandes im Rahmen des Münchner Abkommens und der Okkupation durch das Dritte Reich verließen viele gefährdete Menschen das Land, viele von ihnen mussten bereits vorher einmal vor den Nazis aus Deutschland fliehen.

Nach dem Krieg kamen zwar viele Emigranten zurück, doch etliche verließen enttäuscht rasch wieder ihre Heimat. Neben der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verlor das Land auch Tausende von Tschechen und Slowaken. Nach der endgültigen kommunistischen Machtübernahme 1948 flüchteten bis 1989 etwa eine halbe Million Tschechen und Slowaken in den Westen (davon 60.000 unmittelbar nach dem Februar 1948, etwa 245.000 nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968) sowie nach den Ausweisungen nach der Gründung der Charta 77 im Jahre 1977.

Innere Emigration

Innere Emigration bezeichnet die innere geistige Auswanderung, zum Beispiel von Intellektuellen oder Künstlern in einer Diktatur. Sie würden eine Distanz zur Macht ohne aktiven oder künstlerischen Widerstand pflegen, wenn sie im Lande blieben. Der Begriff ist umstritten, weil er die aktive Flucht vor einer Diktatur mit dem Bleiben und "Aussitzen" auf eine Ebene stellt, obwohl Innere Emigration durchaus als eine Schutzbehauptung so genannter Mitläufer auch in den Spruchkammerverfahren verwendet wurde.

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