Auswandern

  Gemeinsam auswandern


Home · Überwintern in Florida · Überwintern auf Teneriffa · Belize · Partnerseiten · Linktausch · Kontakt

Auswanderung: Teil 1 - Begriffsdefinition · Teil 2 - Geschichte der Auswanderung · Teil 3 - Gründe für eine Auswanderung ·
Teil 4 - Deutschland, Schweden, etc. · Teil 5 - Museen und Ausstellungen · Auswandererschutzgesetz



Auswanderung
Teil 2

Geschichte der Auswanderung

Wanderungsbewegungen hat es immer gegeben, entweder aufgrund existenzieller Bedrohung durch Kriege oder Naturkatastrophen oder der Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Bedingungen anderswo. In der Forschung spricht man von Push- und Pull-Faktoren: Push-Faktoren im Herkunftsland bewirken einen (Aus)wanderungsdruck, angebliche oder wirkliche Vorteilen am Zielort (Aufnahmeland) einen (Ein)wanderungs"sog".

Insofern hat jede Auswanderung zwei Aspekte, nämlich

  • die Lage im abgebenden Land: Bevölkerungs- und Begabungsverlust, aber auch Entlastung bei knappen Ressourcen, sowie des akuten Verlustes von Einwohnern,
  • die Lage im aufnehmenden Land: Probleme der Akkulturation (vor allem Erlernen der Sprache) und Integration, aber auch Zuwanderung von Arbeitskräften, Fachwissen und kultureller Vielfalt.

    Europa - Frühe Neuzeit

    In der frühen Neuzeit war die erzwungene Emigration ganzer Bevölkerungsgruppen verbreiteter als die freiwillige Auswanderung. Beispiele dafür sind die Vertreibung der Juden aus Spanien sowie der Mauren nach 1492, die Exulantenströme protestantischer Glaubensflüchtlinge seit dem 15. Jahrhundert, die zwangsweise Umsiedlung von Indianerstämmen in Reservate und später die Anlage von Verbrecherkolonien zu nennen.

    Im Zeitalter der Konfessionalisierung (1550-1750) mussten viele Emigranten ihre Heimat aus Glaubensgründen verlassen, denn seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Prinzip cuius regio eius religio von den Fürsten immer strenger durchgesetzt. Wer nicht zur Konfession seines Landesherren übertreten wollte, war gezwungen, das ius emigrandi, das Abzugsrecht, in Anspruch zu nehmen und auszuwandern. Das betraf zum Beispiel die Protestanten in Böhmen, die von 1620 bis etwa 1680 in mehreren Wellen auswanderten.

    Im späten 17. Jahrhundert kam es zu mehreren Emigrationswellen von Hugenotten aus Frankreich. Als König Ludwig XIV. 1685 das Toleranzedikt von Nantes aufhob und damit den Protestantismus verbot, der vor allem in Südfrankreich weit verbreitet war, verlie&azlig;en Tausende von Angehörigen der protestantischen Oberschicht ihre Heimat und siedelten sich überwiegend in England, den Niederlanden, Preußen und anderen protestantischen Territorien des Heiligen Römischen Reichs an. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg reagierte auf die Vertreibung der Hugenotten mit dem Edikt von Potsdam.

    Deutscher Sprachraum - Mittelalter

    Während des Mittelalters wanderten in verschiedenen Wellen Menschen aus dem Heiligen Römischen Reich in die slawisch und baltisch besiedelten Gebiete östlich davon aus (Ostsiedlung). Das führte teils zu einer Vermischung, teils blieben die deutschen Siedler eine Minderheit, teils assimilierten sich die Zuwanderer - zum großen Teil bewirkten sie allerdings insgesamt eine Germanisierung der jeweiligen Gebiete.

    Das ist der Grund für die heutige östliche Ausdehnung des deutschen Sprachraums bzw. dessen noch größere östliche Ausdehnung bis zum Zweiten Weltkrieg. Weite Bereiche des Gebiets der heutigen fünf neuen Bundesländer sowie die Ostgebiete des ehemaligen Deutschen Reichs von 1871 gehörten um 1000 noch nicht zum Gebiet des Heiligen Römischen Reiches und wurden erst durch die Auswanderungswellen aus dem Reichsgebiet zu Bereichen des deutschen Sprachraums (manche auch nie, z. B. Bereiche Posens), später zum großen Teil auch Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs.

    Die Siedlungsbewegung in Richtung Osten setzte sich auch in der Neuzeit fort. Allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen (siehe unten), und die Zielgebiete lagen oft immer weiter im Osten. Sie waren nicht immer mit dem deutschen Sprachraum verbunden und wurden zu Inseln der deutschen Sprache (zum Beispiel Wolgadeutsche, siehe unten).

    Dreißigjähriger Krieg und dessen Nachkriegszeit

    Zu starken Emigrationsbewegungen aus wirtschaftlichen Gründen kam es nach dem Drei&alig;igjährigen Krieg, als Arbeitsemigranten aus der übervölkerten Schweiz (vor allem aus den Kantonen Bern, Zürich, Thurgau und aus Gebieten des heutigen Kantons St. Gallen) sowie aus Vorarlberg in den zerstörten, teilweise menschenleeren Gegenden Südwestdeutschlands ansässig wurden und halfen, das verwüstete Land wieder zu besiedeln.

    18. Jahrhundert

    Auch die 1733 aus dem Erzbistum Salzburg vertriebenen Protestanten fanden Aufnahme in Preußen (siehe Salzburger Exulanten). Seit dem 15. Jahrhundert förderten einige Landesherren wie die Grafen zu Wied oder die Könige von Preußen die Ansiedlung von Glaubensflüchtlingen im Rahmen ihrer Peuplierungspolitik durch Vergünstigungen, weil sie sich Impulse für ihre Wirtschaft erhofften.

    In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts emigrierten viele Menschen aus den deutschen Staaten nach Osten: nach Ungarn, Rumänien und Russland, auch hier teilweise ermutigt durch die Landesherren. In manchen Ansiedlungsgebieten blieb die Sprache und Kultur des ursprünglichen Heimatlandes über Jahrhunderte hinweg erhalten, da die Siedlungen nach außen weitgehend isoliert waren und insbesondere Heiratsverbindungen mit Einwohnern des aufnehmenden Landes fast ausgeschlossen waren. Indessen entwickelten die Auswanderer eine bedeutende Wirtschaftskraft.

    Personen, die aus religiösen Gründen auswanderten, zogen darüber hinaus schon im 18. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten von Amerika, um bei der dort gewährten Religionsfreiheit ohne Repressalien leben zu können. Das war insbesondere für kleine religiöse Gruppierungen von Interesse. Vor allem der Staat Pennsylvania zog Menschen aller religiösen Richtungen an.

    19. Jahrhundert

    Im 19. Jahrhundert erreichte die Auswanderung im deutschsprachigen Raum einen Höhepunkt. Es kam verschiedentlich zu Massenauswanderungen, die eng mit der konjunkturellen Entwicklung zusammenhingen. Bezogen auf Südwestdeutschland kann man von drei Phasen der Massenauswanderung sprechen:

    1816/1817

    Bedingt durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien, einem der stärksten bekannten Vulkanausbrüche überhaupt, wurde so viel Asche in die Atmosphäre geschleudert, dass es auf der nördlichen Halbkugel zu extrem nassen, kalten Sommern kam und die Ernte zweier Jahre ausfiel. Deshalb kam es zu einer großen Emigrationsbewegung. In Südwestdeutschland schifften sich viele Menschen auf der Donau ein und siedelten in Südrussland (Bessarabien, in der Gegend um Odessa und um Tiflis im Kaukasus). Ein kleinerer Teil der Emigranten suchte in den Vereinigten Staaten eine neue Heimat.

    1845-1865

    Wiederum löste eine anhaltende Wirtschaftskrise die größte Massenemigration des 19. Jahrhunderts aus; Nun richteten sich die Auswandererströme fast ausnahmslos auf die Vereinigten Staaten. Dort wurden weite Landstriche erschlossen und besiedelt, indem man die ansässigen Indianer bekämpfte und vertrieb. Einen zusätzlichen Anreiz zur Auswanderung bildeten die Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien seit 1848, die den kalifornischen Goldrausch auslösten.

    Zu der wirtschaftlich motivierten Auswanderung kam um 1848 auch eine politische, die ihren Höhepunkt nach der gescheiterten Märzrevolution fand. Diese Emigranten werden gemeinhin als Forty-Eighters oder "Achtundvierziger" bezeichnet.

    Nach 1855 ließ die Stärke der Auswanderung nach und kam während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) fast vollständig zum Erliegen. Friedrich Naumann bezifferte 1916 die Zahl der zwischen 1821 und 1912 in die USA gegangenen deutschen Auswanderer auf 5,45 Millionen.

    Als Teil der gleichen Auswanderungswelle wanderten auch tausende Deutsche in die australischen Kolonien aus. Ihre Zahl wird auf etwa 70.000 bis 80.000 "bis zum Ersten Weltkrieg" geschätzt. Die Deutschen prägten die Geschichte des Kontinentes nachhaltig.

    1880er Jahre

    Nach 1880 kam es noch einmal zu einer Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die jedoch nicht mehr die Stärke der anderen Auswanderungsbewegungen erreichte. Die Auswanderung über Bremen erfolgte jetzt größtenteils von Bremerhaven aus. Dort wurde ein Auswandererhaus betrieben, damit die Emigration mit Schiffen erfolgen konnte, die mehr Tiefgang hatten.

    Betrügereien im osteuropäischen Auswanderungsmarkt

    Es wird auch von Betrügereien im Zusammenhang mit der Betreuung von Auswanderern berichtet:

    "In den Jahren 1889/90 standen zwei Agenten der Hapag, die ein Geschäftsbüro in Auschwitz (Oswiecim) betrieben hatten, wegen fortgesetzten Betrugs vor Gericht."

    Die beiden Agenten Jacob Klausner und Simon Herz hätten in großem Stil Eisenbahnschaffner und Beamte, Zöllner und sogar Polizisten bestochen, wird berichtet. Die Wände ihrer Agentur in Auschwitz hatten sie mit dem deutschen Reichsadler und einem Porträt des Kaisers geschmückt. Dort stand ein "Telegraph" - ein alter Wecker. Über den sprachen sie mit Herbergen in Hamburg, Arbeitsgebern in den USA oder sogar mit dem "Kaiser von Amerika". Polizisten, die von Auswanderern respektiert und gefürchtet waren, erzählten - im Auftrag der Agenten -, dass Amerika nur über Hamburg zu erreichen sei.

    "Jeder, der eine Fahrkarte oder eine Passageanweisung für eine andere Linie als die Hapag besaß, wurde bedrängt und zum Teil gezwungen, diese verfallen zu lassen und in der Agentur eine "richtige" zu kaufen." Agnes Bretting: Aufbruch in die Fremde, S. 94 f.

    Diese Auswanderer glaubten, ihre Auswanderung sei ungesetzlich. Viele junge Männer wollten sich auch der Wehrpflicht entziehen und hatten keinen Mut, sich den Praktiken der Agentur zu widersetzen. Wenn sie es dennoch taten, wurden sie "von einem der bestochenen Polizisten verhaftet, eingesperrt, geschlagen und auf andere Weise mißhandelt, bis sie nachgaben und den Weisungen der Agenten folgten." Diese Agentur hatte in den späten achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit etwa 12.400 Menschen pro Jahr Überfahrtsverträge abgeschlossen. Weit verbreitete Korruption im russischen und auch im österreichisch-ungarischen Verwaltungsapparat wird für das Funktionieren des Systems verantwortlich gemacht.

    "Zudem kamen die meisten Auswanderer, die einer geschlossenen Front von Geschäftemachern ausgeliefert waren, aus kleinen Dörfern und konnten weder lesen noch schreiben. Für diese armen Bauern war Amerika die große Hoffnung auf ein besseres Leben; sie wußten nichts über dieses Land, aber weil sie so viele Wünsche damit verbanden, waren sie bereit, fast alles zu glauben, vor allem die guten Nachrichten... Das hochspezialisierte, gesetzlicher Kontrolle unterworfene System professionell betriebener Auswanderungsagenturen... in Westeuropa... galt nicht für den osteuropäischen Auswanderungsmarkt. Skrupellose Agenten sorgten dort für das Geschäft, von dem die deutschen Schiffahrtslinien inzwischen wirtschaftlich abhängig waren." Agnes Bretting: in: Aufbruch in die Fremde, S. 94 f.

    Erste Hälfte 20. Jahrhundert

    In der Zeit der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg emigrierten ganze Gruppen nach Argentinien und Südbrasilien (Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina). Auch hier entstanden deutschsprachige Siedlungen; ein Landstrich in Südbrasilien heißt heute noch Neu-Württemberg.

    Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 setzte die Judenverfolgung sowie eine vollständige Unterdrückung jeglicher politischen Opposition ein (siehe z.B. Sopade / SPD im Exil). Menschen, die früh genug die Gefahr erkannten, über die nötigen finanziellen Mittel und die berufliche Flexibilität verfügten, verließen das Land mehr oder weniger freiwillig. Die Filmmetropole Hollywood profitierte vom Zustrom an kreativem Personal wie Produzenten, Regisseuren und Schauspielern. Rund 2.000 deutschsprachige Filmschaffende emigrierten während des Nationalsozialismus. Der spätere Filmklassiker Casablanca (1942) wurde beispielsweise fast ausnahmslos mit eingewanderten Schauspielern besetzt.

    Berühmte Emigranten waren beispielsweise im 20. Jahrhundert der Naturwissenschaftler Albert Einstein, die Schriftsteller Thomas Mann, Heinrich Mann, Oskar Maria Graf, Anna Seghers, Ernst Karl Winter und Bertolt Brecht, die Schauspielerin Marlene Dietrich, sowie der Regisseur Billy Wilder, die während des "Dritten Reiches" Deutschland wegen des Nationalsozialismus verlie&azlig;en und in die USA emigrierten. Unter denen, die Deutschland in der NS-Zeit zwangsweise verlie&azlig;en, waren auch viele Universitätsprofessoren, wie zum Beispiel der Karlsruher Professor für Physikalische Chemie Georg Bredig, der Kölner Professor für Zoologie Ernst Bresslau, der Aachener Professor für Technische Chemie Walter Fuchs, der Frankfurter Professor für Physik Karl Wilhelm Meissner, der Berliner Professor für Physik Peter Pringsheim, der Breslauer Professor für Physik Fritz Reiche u. a. Nach 1945 kam es zu einer vorsichtigen Rückwanderung (Remigration) von einzelnen Personen in die beiden deutschen Staaten. Im Westen Deutschlands erlebten sie zum Teil offene Anfeindungen dafür, dass sie im Ausland gegen die Nazi-Politik direkt oder indirekt Stellung bezogen hatten. Andere lehnten eine Remigration grundsätzlich ab, zum Teil wollten sie auf Grund ihrer Erlebnisse niemals wieder "deutschen Boden" betreten und begründeten das auch öffentlich.

    Zweite Hälfte 20. Jahrhundert

    Nach 1945 emigrierten wiederum viele Menschen aus Deutschland zum Beispiel nach Australien und Südamerika. Ursache war in erster Linie die ökonomische Perspektivlosigkeit der Nachkriegszeit.

    Hinzu kamen bei Wissenschaftlern die von den Alliierten erlassenen Forschungseinschränkungen, die in Deutschland bis 1955 in Kraft blieben.

    Unter den Emigranten waren auch Täter des Nazi-Regimes aus Deutschland, die zur Flucht vor einer Strafverfolgung die sog. Rattenlinie nutzten.

    In den Jahren 1945 bis 1990 verließen drei Millionen Menschen die SBZ bzw. deren Folgestaat, die DDR, als Flüchtlinge ganz überwiegend aus Unzufriedenheit mit dem angestrebten sozialistischen Gesellschaftsmodell und um in Westdeutschland zu leben. Die Massenflucht konnte zwar im Jahre 1961 durch die Errichtung der Berliner Mauer gestoppt werden, entwickelte sich aber im Jahre 1989 erneut dynamisch und löste innerhalb weniger Monate den Zusammenbruch des politischen Systems aus.

    <<< zurück
     
    weiter >>>

  • Creative Commons Lizenz

    Dieser Text unterliegt der Lizenz "Creative Commons Attribution/Share Alike":
    http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/us/deed.de

    Sie können den Text beliebig kopieren und verteilen, solange Sie einen Link (dofollow) auf http://www.auswandern-in-die-karibik.de setzen.

    Ausgewandert und nun Langeweile?

    Dann haben wir Ihnen hier ein paar Seiten zusammengestellt, die Sie vielleicht interessieren: Vielleicht ein paar kostenlose Wallpaper ? Viel Spass im Internet.

    Copyright © 2012 Auswandern - in - die - Karibik .de - Alle Rechte vorbehalten.